Viele Telefone haben sich nachweislich durch einen Evolutionssprung zu Meister der Störungen entwickelt. Man sieht sie nur nicht mit einem schwarzen Gürtel herumlaufen, da sie im seltensten Fall eine Hose tragen (eigentlich ja ziemlich unanständig). Die exogenen Störungen dienen der Nahrungsaufnahme unserer kleinen Freunde. Sie fesseln ihre Wirte stundenlang an sich um deren Lebensenergie zu absorbieren. Bei diesem Prozess entsteht als Abfallprodukt Strahlung. In Fachkreisen unterscheidet man zwei verschiedene Strahlungsarten. Während im Anfangsstadium vor allem Energie im infraroten Bereich frei wird, entstehen im fortlaufenden Prozess eine Art Mikrowellenstrahlung. Eine wissenschaftlich nicht näher bewiesene Theorie spekuliert mit der Annahme, dass diese Strahlung der Kommunikation zwischen den Telefonen dient. Da sieht man mal wieder wozu sich “seriöse” Wissenschaftler alles hinreisen lassen.
Die Störungen der Telefone können für die Betroffenen schwerwiegende und unangenehme Folgen haben. In mehreren dokumentierten Fällen kam es zu sozialer Vereinsammung, Schlaf- und Essstörungen sowie Realitätsverlust.
Hier ein Beispiel aus der Praxis. Drrrrriiiing. Drrrrriiiing. “Ja, Hallo?” “Hi Andi, hier ist [Name des Anrufers]. Ich hoffe ich störe nicht?” “Hallo [Name des Anrufers]. Nein, nein, ich habe gerade eine Kleinigkeit gegessen. Allerdings nur kalte Küche, ist also kein Problem. Wie geht es denn so? Ich habe ja schon lange nichts mehr von Dir gehört” “Ach so weit ganz gut, … hat vorige Woche … und jetzt fährt… nach…! Stell Dir mal vor. Hahaha!” Verlegen: “Hahaha”. Und wie geht es Deiner Frau?” “Äh, sie hat vorige Woche einen … gewonnen und ist spornstreichs nach … abgedampft. Hab ich doch gerade gesagt. Deine Aufmerksamkeitsspanne wird auch immer kürzer.” “Das liegt am Stress in der Arbeit.” “Hä? Was? In der Telefonleitung knistert es so.” “ICH SAGTE: DAS LIEGT AM STRESS!” “Ja, kann man nichts machen wegen der Kleinen.” Verdutztes Schweigen. “Wollen wir uns mal treffen? Auf ein Bier oder so?” “Wäre nicht schlecht. Wann hast Du denn Zeit?” “Am … wäre gut.” “Bitte?” “Am… in … Tagen.” “Montag wäre mir lieber.” Eine verblüffte Gesprächspause beim Anrufer. “… ist in Ordnung.” “Äh, ja, schreibt Du mir noch eine eMail? Ich hab gerade nichts zum schreiben dabei, ansonsten versemmel ich den Termin wieder.” “Kein Problem, chinesisch ist auch nicht schlecht. Um wie viel … denn? “19:00 Uhr?” “Ok, ich schreib Dir dann noch eine eMail.” “Bis dann” “Ci…”
Einige Millisekunden nachdem der Hörer die Gabel berührt hat. Drrrrriiiing. Drrrrriiiing. “Hallo?” “…” “Hallo?” “…” “Äh, hallo?” “…” “Dann halt nicht.” Drrrrriiiing. “Ich geh nicht mehr hin.” Drrrrriiiing. Drrrrriiiing. “Vergiss es.” Drrrrriiiing. Drrrrriiiing. “Allerdings könnte es ja etwas wichtiges sein.” Drrrrriiiing. Drrrrriiiing. “Na, gut. Hallo?” “…” “Äh, Hallöchen?” “…” “Ok, ich kaufe mir jetzt ein neues Telefon.” Drrrrriiiing. Drrrrriiiing. “HAAAALOOOOO?” “Hergottnochmal, schrei doch nicht so!” “…”
TO BE CONTINUED
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